
Der Tag startete wie immer mit einem Kaffee in der Bar. In Turin gibt es viele traditionelle Cafés. In der Nähe unseres Apartments liegt das Gerla 1927. Der Kaffee ist sehr gut und auch die Sandwiches und das Gebäck schmecken.
Der Turiner Dom ist Johannes dem Täufer gewidmet (Cattedrale di San Giovanni Battista). An der Piazza San Giovanni gelegen, bildet er zusammen mit dem Schloss ein herausragendes Bauensemble.
In religiöser und kunstgeschichtlicher Hinsicht ungleich bedeutender als der schlichte Hauptbau ist die unmittelbar hinter der Vierung der Kathedrale angefügte Kapelle, die im 17. Jahrhundert für den kostbarsten Schatz des Hauses Savoyen, das seit 1587 im Dom aufbewahrte Turiner Grabtuch, die Sacra Sindone, errichtet wurde.
Das Turiner Grabtuch (italienisch Sindone di Torino, Sacra Sindone) ist ein 4,36 Meter langes und 1,10 Meter breites Leinentuch, das ein Ganzkörper-Bildnis der Vorder- und Rückseite eines Menschen zeigt. Der Ursprung des Tuches und sein Aussehen sind der Gegenstand einer intensiven Debatte unter Theologen, Historikern und anderen Forschern. Die dokumentierte Ersterwähnung des Tuches fand im 14. Jahrhundert statt. Aus dem 14. Jahrhundert sind zudem weitere künstlerisch gestaltete Grabtücher bekannt,[1] ebenso die zugehörige Technik einer Leinenmalerei mit Temperafarbe, die Abbildungen mit ungewöhnlichen transparenten Eigenschaften erzeugt. Die davon unabhängig erfolgten Radiokohlenstoffdatierungen von 1988 deuten ebenso auf einen Ursprung als mittelalterliches Artefakt aus dieser Zeit.
Von der katholischen Kirche wird das Tuch nicht als Reliquie, sondern als Ikone eingestuft. Das Bild ist damit mehr als ein Kunstgegenstand, es kann als existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten, indirekt auch zwischen dem Betrachter und Gott dienen. Dessen ungeachtet verehren einige Gläubige das Tuch als Reliquie im Sinne eines echten Leichentuches Christi.
Wir hatten uns etwas zu lange mit dem Kaffeetrinken aufgehalten - der Dom mach um 13:00 Uhr die Pforten dicht und öffnet erst wieder ab 16:00 Uhr. Wir zwar noch ganz kurz drin und konnten noch ein paar wenige Fotos machen, bevor wir raus gebeten wurden.
In unmittelbarer Nähe vom Dom befindet sich die Porta Palatina ist das einzige erhaltene Stadttor des römischen Turin (Augusta Taurinorum). Das Stadttor wurde während der Regierungszeit des Kaisers Augustus im frühen 1. Jahrhundert n. Chr. erbaut. Es ist nicht spektakulär, aber wenn man schon mal beim Dom ist, kann man es sich ja auch ansehen (viel zu sehen gibt es da allerdings nicht).
Zwei Ecken weiter gab es noch einen riesigen Markt mit einem alten Marktgebäude, was für uns natürlich wesentlich interessanter war.
Da wir dort auch gleich eingekauft hatten, mussten wir erstmal wieder zurück ins Apartment, um die Sachen in dem Kühlschrank zu verstauen.
In Turin gibt es übrigens verschiedene Tickets für den öffentlichen Nahverkehr. Wir hatten uns ein 72h-Ticket für 12,50€ geholt. Ein Einzelfahrschein kostet 2,-€ und ist 100 Minuten gültig. Der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut ausgebaut, allerdings könnte die Beschilderung besser sein.
Am Nachmittag haben wir dann einen zweiten Anlauf unternommen, um den Dom zu besichtigen. Der Hype um das Turiner-Grabtuch ist ungebrochen und wird von der Kirche natürlich genutzt, auch wenn das Grabtuch nicht als Reliquie anerkannt wird. Viele Gläubige verehren das Grabtuch, auch wenn es nicht öffentlich ausgestellt wird - das Grabtuch verbleibt fast ausschließlich in seinem versiegelten Schrein. Im Dom wird auch ein Video über das Grabtuch gezeigt, ohne Ton und nur mit italienischen Untertiteln.
Die Authentizität des Grabtuches wurde übrigens bereits sehr früh in Frage gestellt. Der amtierende Bischof von Troyes, Pierre d’Arcis, berichtete im Jahr 1389 in einem Beschwerdebrief an den Gegenpapst Clemens VII. von einem Skandal, den er in der Kirche in Lirey entdeckt habe. Dort habe man „fälschlich und betrügerisch, in verzehrender Habgier und nicht aus dem Motiv der Hingabe, sondern nur aus Gewinnabsicht für die dortige Kirche ein listig gemaltes bestimmtes Tuch angeschafft, auf dem mit cleverer Fingerfertigkeit das zweifache Bild eines Mannes dargestellt ist, das heißt Vorder- und Rückansicht, von dem sie fälschlich behaupten und vortäuschen, dass dies das wirkliche Grabtuch sei, in welches unser Heiland, Jesus Christus, in der Grabesgruft eingewickelt war.“
Draußen wurde es dunkel und da im Kühlschrank leckeres Essen wartete, was zubereitet werden wollte, ging es zurück ins Apartment.








































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