Ich bin heute mal wieder alleine losgezogen. Planlos. Das Licht ist bescheiden. Da wir bis 9:00 Uhr gefrühstückt haben, steht die Sonne schon wieder zu hoch am Himmel. Im Prinzip habe ich noch eine Stunde, bevor das Licht zu extrem wird. Vielleicht habe ich ja Glück und finde am Bahnhof New Delhi ein paar gute Motive ...
Am Bahnhof ging es nicht so quirlig zu, wie ich gedacht und gehofft hatte. Mit der Kamera in der Hand lungerte ich auf den Bahnsteigen rum und suchte nach guten Motiven. Irgendwann wurde ich von einer hochoffiziellen Person in Uniform gefragt, was ich fotografiere. Ich zeigte ihm die Fotos und wurde ermahnt, dass es nicht erlaubt sei, auf Bahnhöfen zu fotografieren. Als ich ihn fragte, ob ich die Fotos löschen solle, winkte er nur ab. Wahrscheinlich war er doch nur neugierig gewesen. Dennoch habe ich dann den Bahnhof verlassen - ich wollte nichts provozieren und so richtig spannende Motive hatte ich jetzt auch nicht entdeckt. Irgendwie bin auch ich am Ende der Reise etwas träge geworden ...
Am Nachmittag sah ich aus dem Hotelfenster, wie ein Festwagen geschmückt wurde. So etwas mach mich natürlich neugierig ... also bin ich runtergegangen, um es mir genauer anzusehen.
Der Festwagen wurde zu Ehren Krishnas geschmückt. Viele von uns kennen vielleicht noch die Mantragesänge der Krishna-Jünger auf deutschen Straßen:
Hare Kṛṣṇa Hare Kṛṣṇa Kṛṣṇa Kṛṣṇa Hare Hare
Hare Rāma, Hare Rāma Rāma Rāma Hare Hare
Das Mantra ist eine Anrufung zweier Erscheinungsformen des Gottes Vishnu: Krishna und Rama. Auch im Westen stieß die Verehrung Krishnas auf Interesse: Die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (umgangssprachlich: „Hare-Krishna-Bewegung“), gegründet von Abhay Charan Bhaktivedanta Swami Prabhupada, gelangte in den 1960er Jahren nach Amerika.
Übrigens sind viele Forscher der Ansicht, dass die ungewöhnliche, in der Mitte leicht erhöhte und mit vielen Schmuckerkern (jarokas) und Schmuckkrügen (kalashas) versehene Fassade, des "Palasts der Winde" (Hawa Mahal) in Jaipur die Krone Krishnas versinnbildlichen soll. Der Auftraggeber des Bauwerks, Maharadscha Sawai Pratap Singh, war jedenfalls ein Verehrer des Gottes.
Hier wurde also ein Festwagen zu Ehren Krishnas geschmückt. Mit laut dröhnender Musik und ebenso lautem Gesang des Mantras (> 120) setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Der Festwagen wurde an Seilen von Menschenhand gezogen. Viele wollten den Wagen berühren und mit schieben. Ich bin dem Zug aber nicht bis zum Tempel gefolgt, da mir schon beim Fotografieren die Ohren von dem Lärm weh taten ... vielleicht habe ich etwas verpasst - wer weiß ...


























































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