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30.03.2023 In den Straßen von Jaipur

Das Wäschewaschen ist ein gravierender Nachteil vom Leben aus dem Koffer. Spätestens alle drei Tage wäscht man irgendwas aus, da wir nur für 4 Tage frische Klamotten eingeplant haben. Somit haben wir heute am Vormittag mal wieder unsere Wäsche auf Stand gebracht. Morgen geht es nach Bikaner und wir wollten, nicht gleich bei der Ankunft Wäsche waschen.

Wenn man so eine schöne Unterkunft hat, fällt es schwer, sich für irgendwelche Besichtigungstouren zu motivieren. Das Highlight von Jaipur ist ohne Frage der Palast der Winde. Das Amber Fort soll sehr nett sein, aber irgendwie konnten wir uns nicht dafür begeistern. Also war wieder zielloses durch die Straßen laufen angesagt. Sich treiben lassen und feststellen, dass man der einzige europäische Tourist weit und breit ist. Die meisten lassen sich mit der Autorikscha von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fahren und laufen nicht zu Fuß durch die Straßen.

Nördlich des Stadtpalastes liegt ein künstlich angelegter Teich und wie Hoffnung war, dass man vielleicht irgendwie an den Teich kommt. 

Mein Weg führte mich über das freizugängliche Gelände des Stadtpalastes. Die Gärten sind nett, aber nicht unbedingt sehenswert. Es gibt viele Kinder, die geschäftstüchtig nach „Photo?“ fragen und 10 Rupien dafür haben wollen. Das nervt etwas, aber wir Touristen sind ja auch nicht ganz unschuldig daran, da viele von uns ungefragt die Menschen fotografieren. Mich würde es umgekehrt auch stören und ich würde dann vielleicht auch anfangen nach Geld fragen. Wenn einer vorher fragt, ob er ein Foto machen darf, ist das etwas anderes. Die Kinder haben nur leider sehr schnell mitbekommen, dass sie so bequem Geld verdienen und ihre Familie unterstützen können (zum Teil werden sie auch von den Eltern dazu angehalten). Es sind wie immer die ganz armen Leute und dann bleibt die Schulbildung leider auf der Strecke. In sofern  sollte man auch nicht darauf eingehen.

Viel interessanter war ein Markt, auf den ich per Zufall gestoßen bin. Er liegt außerhalb der „pinkfarbenen Stadt“, also jenseits der alten Stadtmauer. Hier wurde alles an Gemüse gehandelt. Ich war zwar der Exot, aber solange ich keine Porträts machen wollte, wurde ich auch nicht weiter beachtet. So prachtvoll die Altstadt ist (zumindest die Hauptstrassen), so nüchtern ist die Stadt außerhalb der Tore. Das Bild ändert sich total.

Der Rückweg führte mich wieder durch die Gärten des Stadtschlosses. Leider fing es an zu regnen und ich hastete von Überdachung zu Überdachung.

Die Altstadt von Jaipur ist seit 2019 UNESCO Welterbe. Das sieht man an den prachtvollen, relativ sauberen Hauptstraßen die von pinkfarbenen, überrestaurierten Häusern gesäumt sind. Kaum geht man in die Seitengassen, ist von der Sauberkeit und der Pracht nichts mehr zu sehen. Wie wir erfahren haben, ist das Ganze Gebiet jenseits der Hauptstraßen auf dem Papier als Wohngebiet ausgewiesen. Dementsprechend sollten hier auch nur etwas 20.000 Einwohner wohnen. Da sich aber in den Gassen überall kleine Betriebe angesiedelt haben, leben und arbeiten in dem Viertel plötzlich 200.000 Menschen. Die Stadt zahlt für die Müllentsorgung und Instandhaltung aber nur für die auf dem Papier angegebenen 20.000 Menschen. In sofern wundert einen dann der ganze Müll und Dreck nicht. Und führt eines zum anderen; ist es einmal versifft und dreckig, pinkelt man(n) auch ganz ungeniert in die Ecke, obwohl es 100 Meter weiter eine öffentliche Toilette gibt. 

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